Springe direkt zu: Contentbereich, Hauptnavigation, Suche
Sie sind hier:
Bericht über ein Kurzpraktikum von Enno Hagenah bei der Conti am Konzernstammsitz in Hannover im Rahmen des Projektes "Seitenwechsel" der Landtagsfraktion.
Weltkonzern zwischen Globalisierung und mittelständischer Tradition
Als ich am 8.05. zu meiner Verabredung mit dem Chef der Unternehmenskommunikation in der Conti Hauptverwaltung am Stammsitz in Hannover Vahrenwald kam, war ich von dem sehr schlichten Gebäude und den bescheidenen Büros überrascht. Bei 80.000 Beschäftigten in 27 Ländern weltweit hatte ich mir die Zentrale aufwändiger vorgestellt. Es sollte sich im weiteren Verlauf meines Aufenthaltes zeigen, dass die geringe Distanz unter den Mitarbeitern und zwischen der gesamten Verwaltungsebene und der Chefetage zur Unternehmenskultur gehört. Nicht nur die Mitarbeiter; auch der Vorstand fährt ohne Chauffeur mit der Bahn 2. Klasse und im Flugzeug Economy, um nur ein kleines äußeres Kennzeichen der inneren Bescheidenheit zu nennen. Mein Praktikum versprach also interessant zu werden.
Zunächst standen Gespräche mit Mitarbeitern der internen Unternehmenskommunikation auf meinem Programm.
![]() |
![]() |
Es ist sicher eine große Herausforderung, in weit verzweigten Unternehmen den Informationsstand bei allen Beschäftigten auf dem gleichen Niveau zu halten. Conti tut das mit einer alle zwei Monate erscheinenden Mitarbeiterzeitung, die möglichst gleichzeitig weltweit in allen Landessprachen verteilt wird. Mein persönliches Highlight der internen Unternehmenskultur ist die konzern-interne Fußballweltmeisterschaft, an der mit den Vorrunden weltweit seit zwei Jahren über 100 Frauen- und Männermannschaften aus fast allen Standorten teilgenommen haben. Eine Aktion, die offenbar die MitarbeiterInnen begeistert hat und viele neue Kontakte ermöglichte.
Nach weiteren Einblicken auch in die nach außen gerichtete Presse- und Medienarbeit hatte ich Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem Conti-Vorstandsvorsitzenden Manfred Wennemer. Neben kontroversen Einschätzungen zu den Vorgängen und der politischen Diskussion um die geplante Schließung der PKW-Reifenproduktion am Standort Hannover fanden sich auch eine Menge Übereinstimmungspunkte wie z.B. die Kritik an der geplanten Mehrwertsteuer-Erhöhung und die Skepsis gegenüber Kombilohnmodellen. Überzeugend war für mich besonders die unaufgeregte Bescheidenheit, die den Konzernchef und seine Umgebung fast wie einen bodenständigen Mittelständler erscheinen lässt.
Ganz ähnlich ging es in der LKW-Reifenproduktion weiter. Die Herstellung der vielen Spezialreifen und Sondergrößen erscheint wie eine Mischung aus technisch gestützter Manufaktur und "Gummi-Bäckerei". Reifen bestehen aus vielen Materialien und Spezialmischungen, werden gewickelt und gebacken. Jedes Endprodukt wird geröntgt, kritisch beguckt und befühlt, bevor es die Produktion verlässt. An vielen dieser Einzelschritte konnte ich kurz teilnehmen.
Am zweiten Tag hatte ich Einblick in die Forschung und Entwicklung, konnte mich im Bereich der Prototypen-Fertigung als "Profilschnitzer" versuchen und Fachgespräche über Lärmminderungs-Potentiale mit den Akustikfachleuten führen. Interessant war dort, wie gering die weiteren Optimierungspotentiale beim Stand der Technik noch im Reifenmaterial sind und wie hoch dagegen der Einfluss der Straßenoberfläche für die verbleibende Lärmentwicklung ist. Hier besteht Nachholbedarf in der Zusammenarbeit zwischen Straßenbauern und Reifenherstellern, um die Belastungen noch wirkungsvoll zu senken.
Im weiteren Verlauf konnte ich bei Conti Tech die Herstellung verschiedener Feder- und Halterungssysteme für unterschiedlichste Fahrzeugtypen diverser Hersteller begleiten. Demnächst wird es auch Scania 40-t-LKW geben, die mit Luftfedern ausgestattet sind, die ich montieren durfte. Die Qualitätskontrolle wurde von dem Mitarbeiter, dessen Tätigkeit ich kurzzeitig ersetzte, freundlicherweise sehr sorgfältig gemacht, so dass sicher gestellt ist, dass nur bei mir dauerhafte Spuren meines "Seitenwechsels" in die Conti feststellbar sein dürften.