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13. Februar 2009

Hannover Rück

Besuch bei Hannover Rück

Enno Hagenah besuchte einen der weltweit führenden Rückversicherer mit Stammsitz in Hannover.

Was haben Klimakatastrophen in den USA mit der Karl-Wiechert-Allee in Hannover zu tun?  Eine ganze Menge, wie Enno seit seinem Besuch des Firmensitzes der Hannover Rück weiß. Dort nahm den hannoverschen Abgeordneten und wirtschaftspolitischen Sprecher der grünen Fraktion im Niedersächsischen Landtag der "Associate Director" Stefan Schulz in Empfang, um Enno das Unternehmen vorzustellen. Die Hannover Rück, 1966 als "Aktiengesellschaft für Transport und Rückversicherung" gegründet, gehört zu den Weltmarktführerinnen unter den Rückversicherungen. Sie verfügt über ein Anlagevolumen von 20 Mrd. Euro und ist mehrheitlich im Besitz der hannoverschen Talanx AG.

Zuerst stellte er dar, was genau eine Rückversicherung eigentlich macht. Vereinfacht dargestellt ist eine Rückversicherung eine Versicherung für Versicherungen. Und hier kommen wir wieder zur Eingangsfrage, was eine Klimakatastrophe in den USA mit der Karl-Wiechert-Allee zu tun hat. Als im August 2005 der Hurrikan Katrina in den südöstlichen Teil der USA verheerende Schäden angerichtet hat, kamen auf die Versicherungen riesige Schadenssummen von 40 Mrd. € zu. Unzählige Versicherte hatten Schäden an ihren Häusern und ihrem Eigentum zu beklagen. Um für extreme Schadensvolumen wie bei dieser Naturkatastrophe aufkommen zu können, sind Versicherungen über die Rückversicherungen abgesichert, um zumindest einen fest definierten Teilbetrag, der ihre eigenen Kapazitäten übersteigt, erstattet zu bekommen. Zentrale Funktion der Rückversicherungen ist damit, zu mehr Stabilität des Versicherungsgeschäfts beizutragen, damit dieses auch Extremsituationen überdauern kann.

Die Hannover Rück betreibt alle Sparten der Schadens-, Personen- und Finanz-Rückversicherungen und unterhält Geschäftsbeziehungen mit über 5.000 Versicherungsgesellschaften in rund 150 Ländern. Weltweit arbeiten etwa 1.800 MitarbeiterInnen bei dem Unternehmen, davon 900 am Stammsitz in der Karl-Wiechert-Allee. Wie alle Unternehmen unterliegt die Hannover Rück einem starken Standortwettbewerb. Dass eine Verlegung des Stammsitzes in ein Land mit geringeren Steuerbelastungen als die Bundesrepublik nicht in Frage kommt, liegt allein an den MitarbeiterInnen. Diese lassen sich nicht so ohne weiteres in "Steuerparadiese" wie die Bermudas zwangsumsiedeln - und auf ein ausreichendes und gut ausgebildetes Personal ist das Unternehmen angewiesen. Ein zentraler Hebel, um die Hannover Rück am Standort zu halten, ist daher eine gute Bildungsinfrastruktur und eine hohe Lebensqualität für die MitarbeiterInnen in Hannover.

Nicht allein durch die Arbeitsplätze, sondern auch durch einen Gewerbesteuerbeitrag in namhafter Millionenhöhe ist die Hannover Rück wichtig für die Landeshauptstadt. Darüber hinaus engagiert sich das Unternehmen finanziell in der hannoverschen Kunstszene, etwa im Sprengelmuseum und der Musikhochschule. Um die eigene Klimabilanz zu verbessern, beteiligt sich Hannover Rück am Stadtprogramm "Ökoprofit" und leistet Klimaausgleichszahlungen für alle Geschäftsflüge. In dieser "wertkonservativen Unternehmensphilosophie" erkannte Enno durchaus Affinitäten zur grünen Programmatik.  Allerdings waren ihm auch die riesigen bislang ungenutzten Dachflächen des Unternehmens als gelernter Architekt aufgefallen, die gerade im Bereich der Energiegewinnung noch einiges an Potential böten.

Angeregt durch die Diskussion hat Enno sich bei seinem Besuch gleich um eine intensivere Hospitation im Zuge der Aktion "Seitenwechsel" der grünen Landtagsfraktion in der Abteilung beworben, die die Risiken kommender Krisen und Naturkatastrophen abschätzt. Mit aufwendigen Modellen berechnet die Hannover Rück dort z.B. die Wahrscheinlichkeit und die zu erwartenden Schadensvolumen im Zuge des Klimawandels. In einem Zyklus von ein bis zwei Jahren werden hierzu jeweils neue, aktualisierte Berechnungsmodelle eingekauft, auf deren Basis Risiken abgeschätzt und die Versicherungsprämien verhandelt werden.

Zum Klimawandel hat das Unternehmen daher einen ungewöhnlich nüchternen Umgang. - Er wird schlicht eingepreist und sorgt durch das erhöhte Risiko von Naturkatastrophen für höhere Gewinne durch steigende Versicherungsprämien. Problematisch würde es allerdings, wenn die Risiken immer unkalkulierbarer werden und plötzlich massenhaft eintreten. Dann könnte bei ungenauer Vorausprognose auch den Rückversicherern in finanzieller Hinsicht irgendwann das Wasser bis zum Hals stehen.

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