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22. Juni 2009

Enno trifft IGM

Enno trifft Hartmut Meine

Enno Hagenah diskutierte mit Hartmut Meine, IG Metall-Bezirksleiter für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, über die Zukunft der Automobilindustrie.

Würde das gut gehen? Auf der einen Seite der wirtschafts- und verkehrspolitischer Sprecher der Grünen Landtagsfraktion. Auf der anderen Seite der Bezirksleiter der IG Metall für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Würde ein Klimaschützer mit dem Vertreter einer Industriegewerkschaft ausgerechnet bei dem Thema Automobilindustrie auf einen "grünen" Nenner kommen? Und ist dies, ausgerechnet in der Wirtschaftskrise, ein guter Zeitpunkt, um die Industrie mit Klima- und Umweltschutz zu konfrontieren?

Es ging gut. Denn gerade wegen der Krise gilt es die niedersächsische Automobilindustrie fit für die Zukunft zu machen. Eine gute Stunde diskutierte Enno am 27. Mai 2009 im IG Metall-Haus am Klagesmarkt sein Positionspapier "Grün macht Niedersachsen mobil" mit Hartmut Meine. Der Gesprächsteilnehmer war dabei sehr bewusst gewählt, denn das Papier beinhaltet mehr als klimapolitische Forderungen:

Es zeigt Wege auf, wie im Zeitalter der Ressourcenknappheit und des Klimawandels die Automobil- und ihre Zulieferindustrien durch ein konsequentes Umsteuern im globalen Wettbewerb besser aufgestellt werden können. Das Ziel ist, Niedersachsen von einem traditionellen Automobilstandort zu einem ökologischen HighTech-Land zu machen. Statt einem Festhalten am Status Quo muss die Industrie auf mehr Effizienz beim Kraftstoffeinsatz, die Entwicklung neuer Antriebstechnologien, die Verringerung des Fahrzeuggewichts und neue Mobilitätsdienstleistungsangebote setzen. Wer heute in der Automobilindustrie kein klimaschutzkompatibles Angebot präsentieren kann, wird vom Markt verdrängt. Denn die Hauptursache der Krise der Automobilindustrie sind Überproduktion und eine falsche Produktpalette vor dem Hintergrund des Klimawandels – und nicht die Finanzkrise. Die Politik kann und muss dabei mit ökologischen Rahmenbedingungen Lenkungswirkung entfalten, z.B. durch stringente CO2-Grenzwerte und ein Autobahn-Tempolimit. Statt einer Abwrackprämie wäre eine CO2-Stilllegungsprämie nötig, um alte Spritfresser aus dem Verkehr zu ziehen und gegen sparsame Modelle zu ersetzen.

Positiv bewertete Hartmut Meine insbesondere, dass sich die Grünen mit diesem Papier endlich offensiv mit dem Individualverkehr auseinander setzen. Auch wenn er nicht alle grünen Forderungen teilen konnte, so stand er trotzdem vielen sehr aufgeschlossen gegenüber. Dies zeigte sich etwa in den Bereichen der Förderung von Elektromotoren und einer Optimierung von Verbrennungsmotoren hin zu Leichtbau und geringem Spritverbrauch. Sei es für den Innenstadtverkehr oder für KurzstreckenpendlerInnen, für viele Nutzungsanforderungen sind Elektrofahrzeuge sehr interessante Produkte. Rein als Antrieb ist der Elektromotor mit einem Wirkungsgrad von bis zu 95 % dem Verbrennungsmotor weit überlegen. Nötig für eine bessere Verbreitung dieser Fahrzeugmodelle ist, diese noch leistungsfähiger und leichter zu machen. Enno fordert hierzu eine gemeinsame Forschungsanstrengung des Landes, der Forschungsinstitutionen und der Industrie, um ein Forschungs- und Kompetenzfeld Batterie in Niedersachsen aufzubauen. Einig waren sich der Gewerkschaftschef und der Grüne auch, dass nur regenerativ erzeugter Strom eine akzeptable Energiequelle für zukünftige Elektromobilität sein darf. Gerade damit wären zusätzliche Synergien wegen der Speicherfunktion der Elektrofahrzeuge zu schöpfen.

Aus gewerkschaftlicher Sicht sind die grünen Ideen vor allem interessant, da sie konkrete Vorschläge beinhalten, wie der Standort Niedersachsen nachhaltig gesichert werden kann. Um so schneller die Industrie die neuen Zeichen der Zeit erkennt und umsteuert, um so besser ist sie international aufgestellt. Letztendlich hängen an der Automobil- und der Zulieferindustrie gerade in Niedersachsen viele Arbeitsplätze. Diese zu erhalten ist ein gemeinsames Ziel der Grünen und der IG Metall.

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