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19. November 2009

Enno trifft Betriebsrat Karstadt

Besuch beim Betriebsrat Karstadt

Kurz nach Bekanntwerden der drastischen Forderungen des Insolvenzverwalters des Konzern Arcandor, traf sich der wirtschaftspolitische Sprecher der Landtagsfraktion Enno Hagenah mit Rolf Stenzel, dem Betriebsratsvorsitzenden der Karstadt-MitarbeiterInnen in Hannover.

Bemerkenswert ist, dass im Rahmen des Insolvenzverfahrens scheinbar nur Kürzungen auf dem Tisch sind, die das Personal betreffen. Von Lohn- und Sonderzahlungseinbußen und von erheblichen Verschärfungen der Arbeitsbedingungen ist zurzeit die Rede. Aber das eigentliche Problem des Konzerns fasst der Insolvenzverwalter Ennos Ansicht nach viel zu wenig an: die völlig überteuerten Mietverträge, die von der ehemaligen Konzernleitung zu Lasten des Kerngeschäftes Einzelhandel durchgedrückt wurden.

Bemerkenswert ist, dass im Rahmen des Insolvenzverfahrens scheinbar nur Kürzungen auf dem Tisch sind, die das Personal betreffen. Von Lohn- und Sonderzahlungseinbußen und von erheblichen Verschärfungen der Arbeitsbedingungen ist zurzeit die Rede. Aber das eigentliche Problem des Konzerns fasst der Insolvenzverwalter Ennos Ansicht nach viel zu wenig an: die völlig überteuerten Mietverträge, die von der ehemaligen Konzernleitung zu Lasten des Kerngeschäftes Einzelhandel durchgedrückt wurden. Karstadt zahlt in einigen Häusern eine Miete bis zu 23% des Umsatzes, Reparaturen exklusive! Der Branchenschnitt liegt bei 7-9%. Aber anstelle Druck auf den Immobilieneigentümer zu machen, der sogar zu einem beträchtlichen Anteil in Arcandor-Händen liegt, betreibt der Insolvenzverwalter ein gnadenloses Lohndumping.  Sogar rechtsgültige Verträge mit Beschäftigten, die schon auf Lohn verzichten, werden aufkündigt. Dadurch lässt er diejenigen, die freiwillig vor einem Jahr einen Beitrag zu den nötigen Einsparungen beigetragen haben mit einem Taschengeld für volle Arbeit im Regen stehen. Damit konterkariert seinen Auftrag zur Rettung des Unternehmens. Das hat Enno in einem Brief an den Insolvenzverwalter deutlich gemacht und den Verwalter zu Korrekturen aufgefordert. In Hannover sind in den drei Häusern insgesamt 420 Beschäftigte mehr oder minder von solchen Maßnahmen betroffen. Besonders hart trifft es nach Aussagen des Betriebsrates diejenigen, die Teilzeit arbeiten – Frauen mit Kindern, ein hoher Anteil davon Alleinerziehende.

Die Vorstellungen des Betriebsrates sehen anders aus: Der Insolvenzverwalter muss die Tarifverträge anerkennen und die Mieten müssen runter – aber auch die Unternehmensstrategie soll sich ändern. Zum Beispiel im Bereich Kleidung werden derzeit die meisten Artikel zentral in großen Stückzahlen aus Südostasien eingekauft. Nachteile sind, dass kein Reagieren auf unterschiedliches Kaufverhalten vor Ort genommen werden kann und dass die Kosten für die Logistik unnötig hoch sind. Alternativ möchte der Betriebsrat, dass Einkaufsentscheidungen lokal getroffen werden können. Dazu könnte man mit regionalen Einkaufverbünden kooperieren. Gerade in Konkurrenz zum Internet-Handel muss das Ziel sein, das Kaufhaus als Dienstleister mit besonderen Bedienungs- und Beratungsangeboten weiter zu entwickeln oder neu zu erfinden.

Das ist auch eine Reaktion darauf, dass die Einkaufswelt in Hannover insgesamt in Bewegung ist. Der Trend zum Einkauf auf der grünen Wiese scheint gestoppt und die Attraktivität der Innenstädte wird vom Einzelhandel wieder erkannt. Allerdings hat sich mit der ECE-Ansiedlung die Einkaufslandschaft in der Innenstadt zulasten der Alteingesessenen geändert. Und dieser Trend schlägt sich auch bei den hannoverschen Karstadt-Häusern nieder. Seit der Eröffnung des ECE gab es einen Umsatzeinbruch von 10%. Die Folge war ein Stellenabbau von 58 Vollzeitstellen (= 75 Beschäftigte). Für die Beschäftigten bedeutet dies insgesamt ist, dass damit tarifgebundene Arbeitsplätze weggefallen und im Gegenzug Arbeitsplätze zunehmen, die häufig schlechter bezahlt sind und deren Arbeitsbedingungen ungünstiger sind. In Zukunft sollte bei Neuansiedlungen deshalb noch sensibler von Stadtplanung und Politik auf eine verträgliche Begrenzung der damit ausgelösten Veränderungen geachtet werden.

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