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10. März 2010

Nachhaltiger Tourismus in Niedersachsen

Niedersachsen bietet eine vielfältige, abwechslungsreiche Natur und Landschaft vom Mittelgebirge, über Heidelandschaften bis hin zum Wattenmeer für den Urlaub suchenden Gast. Diese Potentiale gilt es zu entwickeln und doch die Natur so wenig wie möglich durch den Tourismus zu belasten. Natursport und Naturtourismus liegen im Trend. Gegenüber anderen deutschen und europäischen Tourismusregionen ist das Angebot für diesen Trend in Niedersachsen aber noch unzureichend. Wir haben deshalb in den vergangenen Jahren einen besonderen Schwerpunkt in unserer Tourismuspolitik auf den Ausbau von Wegenetzen für Natursport und Naturtourismus gelegt.

So wurde auf unsere Initiative hin im Weser-Bergland und im Harz Mountainbike-Wegenetze angelegt. Gerade in der für Niedersachsen wichtigen Tourismusregion Harz soll dieses Angebot auch jüngere Gäste anziehen, für die bisher diese Region nicht besonders interessant war. Die Routenführung wurde mit dem Nationalpark abgestimmt und ist mit den Naturschutzzielen in diesem Mittelgebirgsnationalpark vereinbar. Erfreulich ist, dass das Wegenetz weiter ausbaut wird und inzwischen auch der Anschluss an die Routenführung im sachsenanhalter Teil des Harzes hergestellt wurden.

Ein weiteres wichtiges Thema ist der Wassertourismus. Die Angebote für Tagestouren und Bootswandertouren auf den Flüssen in Norddeutschland hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Die Infrastruktur wie Einsetz- und Anlegestellen, Rastplätze und Umtragemöglichkeiten an Wehren dagegen waren unzureichend. Konflikte mit Anliegern der Flüsse, Schäden an Ufern und Gewässern waren die Folge. Wir haben uns dafür eingesetzt, dass der Wassertourismus naturverträglich weiter entwickelt wird. Inzwischen sind Befahrensregelungen und Infrastruktureinrichtungen an den wichtigsten Flüssen der Heideregion und der Nebenflüsse von Weser und Elbe umgesetzt.

Gerade im ländlichen Raum ist für viele Landwirte Reitsport und Reittourismus zu einer wichtigen zusätzlichen Einkommensquelle geworden. Neben der Pensionshaltung der Pferde entwickelt sich der Reittourismus in den letzten Jahren enorm. Eine Grundvoraussetzung für Reittourismusangebote ist ein attraktives Angebot an bereitbaren Wegen. Wir setzen uns dafür ein, dass örtliche Reitwege in den Gemeinden festgelegt werden, die regional und als Ziel landesweit zu einem Reitwegenetz zusammengeführt werden sollen. Diese Koordination muss die Landesregierung leisten. Wenn man dem Anspruch: "Pferdeland Niedersachsen" gerecht werden will, dann muss es möglich sein, das Wendland über die Reiterstadt Verden bis ins Oldenburger Land, dem größten zusammenhängendem Pferdezuchtgebiet weltweit, mit einem Reitweg zu verbinden. Vom Kinder-Reiturlaub bis hin zum anspruchsvollen Wanderreiter soll jeder in Niedersachsen sein Angebot finden.

Dass der Ausbau des Radfernwegenetzes in Niedersachsen eine Herzensangelegenheit der Grünen ist, muss nicht besonders betont werden. Die Radfernwege längst der Elbe und der Weser haben ihr festes Publikum, der Weserradweg ist noch immer der beliebteste Radweg Deutschlands. Das Wegenetz ist weitgehend fertig gestellt. Wir sehen unser Ziel darin, für die Fahrrad-Gästen Anbindungen an regionale Radwege weiter zu entwickeln, den Gästen Angebote abseits der Fernwege zu bieten. Besonders gut gelungen ist dies im südniedersächsischen Raum.

Der Trend zum Berg- und Klettersport "indoor" wie "outdoor" hält weiter an. Die Naturfelsen der Ökosysteme in Harz und Weserbergland ziehen nicht nur heimische Klettersportler sondern auch junge Leute aus Dänemark und Holland an. Diese sensiblen Naturräume erfordern eine naturschutzfachlich abgestimmte Steuerung der sportlichen Nutzung. Grüne haben gefordert, Konzeptionen für einen naturverträglichen Berg- und Klettersport in Niedersachsen zu erarbeiten. Inzwischen wurde für Teile des Weserberglandes eine vertragliche Vereinbarung zwischen den Sportverbänden, den Landkreisen und den Fachbehörden des Landes zum Klettersport abgeschlossen. Das Instrument der vertraglichen Vereinbarung zu sportlichen Naturnutzungen muss noch stärker genutzt und weiter ausgebaut werden.

Wir erleben in den letzten Jahren ein Renessance des Wanderns. Damit Niedersachsen seine Stellung als klassische Wanderregion – auch hier besonders der Harz - in Deutschland halten kann, ist es notwendig, die Qualität regionaler Wanderwege und der Fernwanderwege zu erhöhen. Der Harz hat zwar mit dem "Hexenstieg" ein neues hochwertiges Angebot für Wanderer im Jahr 2005 eingerichtet, doch insgesamt ist das Angebot für den Wandertourismus in Niedersachsen nicht auf einem zeitgemäßen Stand.  Wir erwarten von der Landesregierung eine Qualitätsoffensive für den Wandertourismus, eine Unterstützung der regionalen Akteure für Qualitätssteigerung und Zertifizierung der Wege, wie sie in anderen Regionen Deutschlands durchgeführt werden. Die Wanderverbände haben Kriterien und Anforderungen an Wanderwege erarbeitet, die den Ansprüchen der Nutzer, dem "neuen" Wandertrend gerecht werden. Daran muss sich die niedersächsische Tourismuswirtschaft orientieren.

Wichtige Gedanken grüner Tourismuspolitik:

Naturschutz und Tourismus

Der Schutz der Natur – auch um ihrer selbst willen – ist und bleibt für Grüne ein unverzichtbar hohes Gut. Das bedeutet, dass wir dafür eintreten, dort wo es naturschutzfachlich geboten ist, müssen die Besucher zurückstehen. Das gilt besonders für streng geschützte Bereiche unserer Schutzgebiete und die Rast- bzw. Überwinterungsgebiete der Zugvögel.

Qualität entwickeln

Niedersächsische Tourismusregionen weisen zu oft Qualitätsmängel bei ihren Angeboten auf. Dies gilt sowohl für den Service wie auch für die Ausstattung von Unterkünften.

Fördern ja – aber wie

Wir setzen uns für eine kleinteilige Förderung des Tourismus ein. Zuschüsse für die Investition in ein fünf Sterne Hotel oder eine bayrische Erlebnisgastronomie im Harz, wie dies die Landesregierung tut, lehnen wir ab.

Vorrangig sollten deshalb die Entwicklung neuer Konzeptionen und die Kooperation der Touristiker in den Regionen gefördert werden. Das kleinteilige Gegeneinander einzelner Tourismusorte muss in Kooperation und gemeinsame Vermarktungsstrategien überführt werden. Dafür setzen wir uns ein.

 

Zusätzliche Information